Die Concertina ist ein echtes Chemnitzer Original – erfunden 1834 von Carl Friedrich Uhlig und bis heute ein Musterbeispiel für sächsischen Ideenreichtum. Damals stellte Uhlig sein „Accordion neuer Art“ noch recht bescheiden in einer Anzeige für seinen Instrumentenhandel vor. Von seiner Werkstatt, die übrigens in der Nähe des heutigen Karl-Marx-Monuments stand, trat das Instrument schnell seinen Weg in die Welt an. Über das Erzgebirge und den vogtländischen Musikwinkel gelangte es bald hinaus – bis nach Südafrika und Argentinien. Moment mal, wie bitte?
Die Concertina funktioniert ähnlich wie ein Akkordeon: Ein Blasebalg erzeugt beim Auseinanderziehen und Zusammenschieben die Töne. Anders als beim Akkordeon sind es allerdings Einzeltöne statt Akkorde. Mit der Zeit wuchs der Tonumfang von zunächst 10 bis auf 144 Knöpfe. Daraus entwickelte sich schließlich das Bandoneon – und genau dieses Instrument wurde um 1900 in Buenos Aires zum Herzstück des Tangos. Dass ein Stück Chemnitz zur „Lieblings-Erfindung der Südamerikaner“ wurde, ist eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht.
Auch in Deutschland hatte die Concertina viele Fans, vor allem unter Industriearbeitern in Sachsen und im Ruhrgebiet. Das Instrument war preiswert, leicht zu erlernen und vielseitig einsetzbar – ideale Bedingungen für eine eigene Musikkultur. In den 1920er- und 30er-Jahren erlebten die zahlreichen Concertinavereine ihre Blütezeit.
Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet die Concertina hierzulande etwas in Vergessenheit, doch die Fangemeinde lebt bis heute weiter. Der größte Chemnitzer Concertina-Club hat seinen Sitz in Prag, mit über 140 aktiven Mitgliedern.
Im Kulturhauptstadtjahr 2025 rückten Bandoneon und Tango noch einmal in den Mittelpunkt: Milongas luden zum Tanzen ein, Konzerte wurden von Bandoneonklängen bereichert, und bei Workshops erlernten Jung und Alt das „Klavier des kleinen Mannes“. Bei der Europäischen Sommerphilharmonie spielten über 200 Musiker Tangomusik und feierten damit ein Stück Chemnitzer Musikkultur, das längst internationale Geschichte geschrieben hat.
Eine Hörprobe der besonderen Klänge gibt es hier:
